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Das EEG des jungen Patienten im Blick: Dr. Claudio Finetti und Epilepsie-Beraterin Necla Yilmaz
13.02.2017

Gewitter im Gehirn

Der zweite Montag im Februar ist der Internationale Tag der Epilepsie – in diesem Jahr ist es der 13.Februar. Grund genug die Eltern-Selbsthilfegruppe „Blitz-Kids“ vorzustellen und über Epilepsie bei Kindern zu informieren...

„Blitz-Kids“ – Eltern helfen sich gegenseitig

Einmal im Monat. Jeden dritten Donnerstag treffen sich die „Blitz-Kids“, eine Gruppe für Eltern, deren Kinder an Epilepsie erkrankt sind. Immer im Hörsaalzentrum des Elisabeth-Krankenhauses Essen. „Es tut einfach gut, sich mit anderen Eltern auszutauschen, die Ähnliches erleben“, so Melanie Tietz, die sich 2015 für die Gründung der Gruppe stark gemacht hat und heute Vorsitzende der „Blitz-Kids“ ist.

„Uns geht es zum einen um  den Austausch, aber auch um das Erleben von Gemeinschaft. Außerdem ist jedes Treffen auch eine kleine Fortbildung. Wir lernen voneinander“, schmunzelt Melanie Tietz, deren zehnjährige Tochter Mia eine besonders starke Form der Epilepsie hat. Tietz betont, dass die Gruppe „Blitz-Kids“ Anlaufstelle und Ansprechpartner für alle Eltern von Kindern mit Epilepsie, gleich welcher Ausprägung, sein möchte.

Interessierte sind herzlich willkommen

Familie Tietz ist von Beginn an mit ihrer Tochter bei Dr. Claudio Finetti, der seit 2012 Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin im Elisabeth-Krankenhaus sowie Leiter des Sozialpädiatrischen und Kinderneurologischen Zentrums ist, in Behandlung. Die Idee, die „Blitz-Kids“ ins Leben zu rufen, lag auf der Hand und Melanie Tietz sowie Dr. Claudio Finetti freuen sich über jedes Elternteil, das sich angesprochen fühlt und mitmacht. „Es ist eben nicht nur der monatliche Austausch. Wir Eltern sind zu einem guten Netzwerk zusammengewachsen“, freut sich die Vorsitzende. Neben dem monatlichen Treffen, sei auch immer ein gemeinsamer Ausflug mit den gesamten Familien geplant. „Im vergangenen Jahr waren wir mit allen zusammen im Kaisergarten in Oberhausen.“

Neben Dr. Claudio Finetti steht Necla Yilmaz, Epilepsie Fachberaterin im Sozialpädiatrischen Zentrum und ebenfalls "Gründungsmitglied" der Selbsthilfegruppe "Blitz-Kids", den Eltern als Ansprechpartnerin immer gerne zur Verfügung.

Interessierte und betroffene Eltern sind herzlich zum nächsten Treffen am Donnerstag, 16. Februar, um 18 Uhr ins Hörsaalzentrum (Konferenzraum 3) des Elisabeth-Krankenhauses Essen, Klara-Kopp-Weg 1, eingeladen.

Kontakt:

Fon 0201 897 4720

Mail blitzkids@gmx.net

Drei Fragen an – Dr. Claudio Finetti

Was passiert bei einem epileptischen Anfall?

Gemeinhin spricht man von einem „Gewitter im Gehirn“. Bei einem epileptischen Anfall findet ganz viel elektrische Aktivität um Gehirn statt. Das Gehirn gibt seine Funktion nicht auf, aber alle Nervenzellen machen die gleichen unsinnigen Sachen.

Was kann Ursache für Epilepsie sein, was sind die Auslöser für einen epileptischen Anfall?

Epilepsie kann Ausdruck vieler verschiedener Krankheiten sein. Ursache kann eine Gehirnfehlbildung, ein Schlaganfall oder Blutungen sein. Die im Kindesalter vorkommende sogenannte „gutartige Epilepsie“ ist in der Regel medikamentös zu behandeln und nach gut zwei bis drei Jahren ausgeheilt.

Auslöser für einen epileptischen Anfall können Schlafentzug, Fieber sowie die unregelmäßige Gabe von Medikamenten sein.

Wie kann die Medizin helfen?

Das wichtigste ist eine gute Diagnostik. Die richtige und genaue Diagnose ist entscheidend für das weitere Vorgehen. Dazu zähle ich auch eine gute, umfassende Beratung der Eltern. Die richtigen Medikamente können häufig dazu führen, dass die Kinder anfallsfrei sind. Allerdings gibt es auch Kinder, die nie anfallsfrei sind. Hier ist es die Aufgabe der Mediziner, darauf zu achten, dass die verordneten Medikamente möglichst geringe Nebenwirkungen haben.

Epilepsie in Zahlen

0-18

Das Sozialpädiatrische Zentrum (SPZ) des Elisabeth-Krankenhauses Essen ist eine von der Stiftung Michael – der bedeutendsten Stiftung für Epilepsie in Deutschland – anerkannte Epilepsie-Ambulanz. Hier dürfen Kinder im Alter von 0 bis 18 Jahren behandelt werden, in Ausnahmefällen und mit Genehmigung der Krankenkasse auch bis zum Alter von 25 Jahren.

15                                     

In der internationalen Klassifikation von epileptischen Anfällen unterscheidet man 15 verschiedene Typen. Die Anzahl der verschiedenen daraus resultierenden Epilepsien ist allerdings weitaus höher.

2200

Im SPZ und in der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin im Elisabeth-Krankenhaus Essen wurden im Jahr 2016  rund 2200 EEG (Elektroenzephalografien) durchgeführt. Der häufigste Grund war Epilepsie.

75

Bei 75 Prozent der Epilepsie-Patienten können Anfälle durch Medikamente vermieden werden. 25 Prozent der Betroffenen gelten als therapierefraktär. Das bedeutet, dass sie trotz der Medikamente nicht anfallsfrei werden.

29

Es gibt 29 verschiedene Wirkstoffe, die gegen Epilepsien helfen. Viele davon sind für Kinder nicht zugelassen, werden aber trotzdem nach Rücksprache mit den Eltern erfolgreich eingesetzt (Off-Label-Therapie).

40

Weltweit leiden rund 40 Millionen Menschen unter epileptischen Anfällen, rund die Hälfte davon sind Kinder. Epilepsie ist damit die häufigste neurologische Erkrankung im Kindesalter

1857

Im Jahr 1857 wurde das erste Medikament gegen Epilepsien eingesetzt, das durchaus auch heute noch bei verschiedenen Arten von Anfällen seine Bedeutung hat: Brom.

Lesen Sie auch: Die Gewissheit, in guten Händen zu sein; Epilepsie-Behandlung im Sozialpädiatrischen Zentrum (Kirschkernsäckchen 1/2016)