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Dünndarm, Dickdarm und Enddarm

Der Darm ist der wichtigste Teil des Verdauungstraktes. Er ist beim erwachsenen Menschen zirka acht Meter lang und besitzt wegen der feinen Darmzotten eine Oberfläche von über 400 m². Der Darm leistet täglich Schwerstarbeit: Aus bis zu zwei Kilogramm Nahrung pro Tag holt er alle für den Menschen verwertbaren Nährstoffe heraus. 

Gutartige Erkrankungen des Dickdarms

Blinddarmentzündung (Appendizitis)

Bei der Blinddarmentzündung – die eigentlich die Entzündung des Wurmfortsatzes am Blinddarm ist – kommt es meist zu stechenden Schmerzen im rechten Unterbauch. Vorzeichen können auch Schmerzen in der Magengegend sein, die sich im weiteren Verlauf in den rechten Unterbauch verlagern. Fieber, Übelkeit und Erbrechen sind oft weitere Symptome. Die Diagnose der akuten Blinddarmentzündung wird durch klinische Untersuchung gestellt. Labor- und Ultraschalluntersuchung des Bauchraumes unterstützen die Diagnose. 

Therapie
Die Therapie der Wahl zur raschen Linderung der Beschwerden sowie zur Vermeidung von Komplikationen (Blinddarmdurchbruch) ist die frühzeitige Entfernung des Wurmfortsatzes. Da gerade bei Frauen mehrere Ursachen (z.B. Eierstockentzündungen oder -zysten) für die bestehenden Unterbauchschmerzen in Frage kommen, empfiehlt sich die minimal invasive, laparoskopische Abklärung mittels Bauchspiegelung. Sollte sich bei der Untersuchung der Blinddarm entzündlich verändert darstellen, wird dieser entfernt. Dabei entstehen nur wenige Millimeter große, kosmetisch nicht störende Schnitte. Auch bei beleibten Patienten hat die Methode ihre Vorteile, da es seltener zu Wundheilungsstörungen kommt. 

Bei besonders ausgeprägten Entzündungen der Appendix oder bei bereits „durchgebrochenem Blinddarm“ (perforierte Appendizitis) ist ggf. ein offenes Operationsverfahren angezeigt. Auch bei voroperierten Patienten ist meist ein etwa vier Zentimeter langer Schnitt im rechten Unterbauch notwendig. 

Colitis ulcerosa

Die Colitis ulcerosa ist eine in Schüben verlaufende Entzündung der Dickdarmschleimhaut. Das häufigste erste Symptom sind Durchfälle. Im fortgeschrittenen Stadium kommt es allmählich zu einer narbigen Umbildung des Dickdarms. Als Komplikationen können Perforationen der Darmwand sowie akute und chronische Blutungen auftreten. Gelegentlich kommt es auch zur Ausbildung von Fisteln und Abszessen. Deutlich begünstigt ist die Entstehung von Darmtumoren. 

Therapie
Eine operative Therapie ist dann angezeigt, wenn die medikamentöse Therapie mit entzündungshemmenden Medikamenten nicht mehr anschlägt sowie bei allen Komplikationen. Meist besteht die Operation in der kompletten Entfernung des Dickdarms, nicht zuletzt wegen des erhöhten Entartungsrisikos. 

Da im Bereich des Schließmuskels nach heutigen Erkenntnissen die isolierte, sorgfältige Entfernung der Schleimhaut (Proktomukosektomie) zur Heilung der Erkrankung ausreichend ist, ist ein direkter Anschluss der letzten Dünndarmschlinge an den Schließmuskel möglich. Damit ist die Kontinuität erhalten und ein dauerhafter künstlicher Darmausgang vermieden. In der Regel wird zum Schutz der neu angelegten Verbindung vorübergehend ein künstlicher Darmausgang vorgeschaltet. Als Mastdarmersatz kann aus der letzten Dünndarmschlinge als Reservoir ein so genannter Pouch gebildet werden. 
Die Operation kann in geeigneten Fällen laparoskopisch – also minimal invasiv – durchgeführt werden. Bei den anderen Patienten erfolgt die Dickdarmentfernung über einen Bauchschnitt. 


Morbus Crohn

Der Morbus Crohn ist eine chronisch entzündliche Darmerkrankung, die häufig mit blutig-schleimigen Durchfällen sowie der Ausbildung von Fisteln und Abszessen (meist perianal) einhergeht. Als Komplikationen können Blutungen und Darmverschlüsse – durch narbige Einengung des Darmlumens – auftreten. Meist ist der Befall nur auf einen bestimmten Darmabschnitt begrenzt. Häufig betroffen ist die letzte Dünndarmschlinge (Ileum terminale). Diese Tatsache hat der Erkrankung ihren zweiten Namen verliehen: Ileitis terminalis. Die Ursache der Erkrankung ist bislang nicht sicher geklärt. 

Therapie
Zunächst besteht die Therapie im Einsatz entzündungshemmender Medikamente. Beim Auftreten konservativ nicht mehr beherrschbarer Komplikationen ist die chirurgische Therapie unumgänglich. Sie besteht meist in der Entfernung des befallenen Darmabschnitts unter Berücksichtigung der anatomischen Durchblutungsverhältnisse. Oft ist die Operation in minimal invasiver Technik durchführbar. 


Divertikulitis

Die Divertikulose ist die häufigste gutartige Darmerkrankung in der westlichen Welt. Das Auftreten von Divertikeln – Ausstülpungen der Darmschleimhaut durch Schwachstellen in der Darmwand – nimmt mit zunehmendem Lebensalter deutlich zu. Zumeist verursachen die Ausstülpungen keine Beschwerden. Setzen sich jedoch Kotbestandteile in den Divertikeln fest, kann eine schmerzhafte Entzündung (Divertikulitis) entstehen. Die Divertikulitis tritt meist im Sigmabereich des Darms auf. Darum sind auch die Schmerzen zumeist im linken Unterbauch lokalisiert. Als Komplikation sind der Darmwanddurchbruch mit folgender Bauchfellentzündung oder der Darmverschluss gefürchtet.

Therapie
Zunächst erfolgt die Behandlung der Divertikulitis mit Antibiotika, Nahrungskarenz oder Diät. Auch wenn die akuten Beschwerden unter der medikamentösen Therapie abklingen, kann es immer wieder zum Auftreten neuer Entzündungsschübe kommen. In diesen Fällen empfiehlt sich die geplante, operative Sanierung des Darmes. Dabei wird eine Teilentfernung des Dickdarms – je nach Ausdehnung der Divertikel – durchgeführt. In der Regel ist der Eingriff in minimal invasiver Technik durchführbar.

Beim Auftreten einer der gefürchteten Divertikulitis-Komplikationen ist eine sofortige operative Entfernung des betroffenen Darmabschnitts mit entsprechender Sanierung des Bauchraumes unumgänglich. Bisweilen ist die vorübergehende Anlage eines künstlichen Darmausgangs zum Schutz der neu angelegten Darmnaht notwendig. 

Bösartige Erkrankungen des Darmes

Kolorektales Karzinom

Dickdarmtumore treten meist zwischen dem 50. und 70. Lebensjahr auf. Im Anfangsstadium sind die Symptome oft unspezifisch.

Häufig sind Stuhlunregelmäßigkeiten oder ungewollter Gewichtsverlust Anlass für weitere diagnostische Maßnahmen. Dickdarmtumore können auch im Rahmen von Vorsorgeuntersuchungen durch Untersuchung des Stuhls auf Blut entdeckt werden. Gesichert wird die Diagnose mittels Darmspiegelung (Koloskopie) bei der gleichzeitig Gewebeproben entnommen werden können. Im Falle der Unpassierbarkeit durch das Endoskop, stellt eine Röntgenuntersuchung mit  Kontrastmittel-Einlauf eine weitere Möglichkeit zur Lokalisation eines möglichen Tumors dar. 

Therapie
Tumore des Enddarms (Rektumkarzinome) verhalten sich wie Dickdarmgeschwülste. Durch ihre besondere Lage am After ergeben sich jedoch einige Besonderheiten: Häufig kommt es zu Symptomen wie Blut- und Schleimabgänge. Bei einengendem Wachstum ist bleistiftähnlicher Stuhl möglich. Ist der Tumor sehr klein und wird frühzeitig entdeckt, ist eine Operation durch den After als so genannte Rektumvollwandexzision ohne Eröffnung des Bauchraumes möglich (TEM). In allen anderen Fällen ist die chirurgische Entfernung des Tumors mitsamt der abführenden Lymphknoten und Lymphbahnen Therapie der Wahl. 

Die Ausdehnung der Operation hängt von der exakten Lokalisation des Tumors ab. Standartisierte Operationsverfahren wie die Hemikolektomie (Teilentfernung der linken bzw. rechten Dickdarmhälfte) und Transversumresektion (Entfernung des Querdarms) kommen zur Anwendung.

Sigmaresektion

Im Falle des Enddarmkrebses erfolgt die Rektumresektion mitsamt Entfernung der umgebenden Lymph- und Gefäßbahnen (TME = totale mesorektale Exzision). In vielen Fällen ist eine schließmuskelerhaltende Operation möglich. Zum Schutz  der Nahtverbindung ist häufig die vorrübergehende Anlage eines künstlichen Darmausgangs – vor allem bei Tumoren im unteren Rektumdrittel – sinnvoll. Ist jedoch der Abstand des Tumors zum Schließmuskel zu gering, ist eine Mitentfernung unumgänglich. Die Patienten bekommen dann einen dauerhaften künstlichen Darmausgang (Abdomino-perineale Rektumresektion = APE).

Therapie
Beim Enddarmkrebs wird die Rektumampulle – sie dient als Stuhlreservoir – ebenfalls entfernt. Es besteht allerdings die Möglichkeit, aus dem wiederangeschlossenen Dickdarmabschnitt ein neues Reservoir zu bilden (J- Pouch, TCP = transverse coloplasty pouch).

Bei der Behandlung von Tumorpatienten ist die enge Zusammenarbeit der Chirurgen mit Strahlentherapeuten und Internisten sehr wichtig. Oft sind Radiochemotherapien vor oder nach der Operation notwendig. Alle Fälle werden im Elisabeth-Krankenhaus in einem Expertengremium von Gastroenterologen, Onkologen, Strahlentherapeuten und Chirurgen diskutiert, um die optimale Therapie bei jedem einzelnen Patienten empfehlen zu können. 

Diagnosen

  • Erwachsene
  • Kind
  • Säugling