Navigation
21.12.2016

Ansteckende Projekte – Rudi Assauer Preis 2016

Zum vierten Mal vergab die Rudi Assauer Initiative Demenz und Gesellschaft am heutigen Montag, 19. Dezember, den Rudi Assauer Preis. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe war Gast des Festaktes und sprach die Laudatio für den ersten Preisträger. Wie auch in den vergangenen Jahren war die Rudi Assauer Initiative mit der Preisverleihung zu Gast in der VELTINS-Arena auf Schalke.

Er erkenne eine Generationensolidarität, so Gröhe. „Es greift zu kurz Leistungsansprüche an den Sozialstaat zu stellen, es muss mehr Menschen geben, die sagen: ‚Es ist unsere Aufgabe, dass unsere Gesellschaft eine demenzfreundlichere wird.‘“ Alzheimer sei nicht ansteckend, betonte der Bundesgesundheitsminister in seiner Laudatio. „Projekte wie diese, die Alzheimer- und Demenzerkrankten helfen, sollen ansteckend sein.“

Die Rudi Assauer Initiative Demenz und Gesellschaft zeichnet einmal im Jahr mit dem Preis fünf innovative Projekte von Einzelpersonen oder Gruppen aus, die zum Ziel haben, die Lebensqualität von an Demenz erkrankten Menschen und betreuenden Angehörigen zu verbessern. Ebenfalls ausgezeichnet werden im Rahmen des sogenannten „Medienpreises“ Informationskampagnen oder Medienberichte, die  dazu beitragen, das Krankheitsbild Demenz in der Öffentlichkeit weiter zu enttabuisieren.

Der mit insgesamt 9200€ dotierte Preis ging im Jahr 2016 an folgende Preisträger und ihre Projekte:

Der erste Preis, dotiert mit 4000€, ging an die Stadt Haltern am See. Die Stadt Haltern am See hat 2010 das Projekt „Zertifizierung jugendlicher Seniorenbegleiter und deren anschließendes Engagement“ ins Leben gerufen und setzt dieses seitdem erfolgreich um.

Über den zweiten Preis (3000€) freute sich die AOK Rheinland/Hamburg Servicestelle Demenz in Jülich. Die AOK hat in Jülich eine „Musterwohnung Demenz“ geschaffen. Diese soll pflegenden Angehörigen und Interessierten Möglichkeiten aufzeigen, wie mit einfachen Mitteln die eigene Wohnung für die an Demenz Erkrankten freundlich gestaltet werden kann.

Das Projekt „Demenz-Partner“ der Deutschen Alzheimer Gesellschaft (Berlin) wurde mit dem dritten Preis (1000€) ausgezeichnet. „Demenz-Partner“ ist eine bundesweite Aufklärungskampagne, deren Ziel es ist, mehr Wissen über Demenzerkrankungen zu verbreiten und damit die Wahrnehmung von Menschen mit Demenzen ihren Familien positiv zu beeinflussen.

Der Berliner Poetry Slammer Lars Ruppel freute sich über den vierten Rudi Assauer Preis (700€). Ausgezeichnet wurde sein bereits 2012 umgesetztes Projekt „Weckworte“. Gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern ermutigte er an Demenz erkrankte Menschen Gedichte zu rezitieren.

Susanne Bötel, Clownin und Kunstbegleiterin für Menschen im Alter und mit Demenz aus Hamburg, wurde für ihr Projekt „Humortraining für Angehörige von Menschen mit Demenz“ mit dem fünften Rudi Assauer Preis (500€) ausgezeichnet. „Humor-Workshops“ bieten Angehörigen die Möglichkeit, an praxisnahen Beispielen humorvolle Interventionen zu erarbeiten.

Den Medienpreis erhielt in diesem Jahr an die Redakteurin Sabine Gerlach, Deutschlandradio Kultur. Ausgezeichnet wird die Berliner Journalistin für ihr Hörfunkfeauture „Bewegung für Kopf und Körper“, in dem sie spezielle sportliche Trainingsprogramme für Menschen mit Demenz vorstellt. Mit dem Feature ist es Gerlach gelungen, die Hörer zu Teilnehmer der Gruppenaktivitäten werden zu lassen. Es entsteht „Kopfkino“.

Rudi Assauer hat seine Demenzerkrankung im Februar 2012 durch die ZDF-Dokumentation „Ich will mich nicht vergessen“ öffentlich gemacht. Eine breite mediale Erörterung von Problemen und gesellschaftlichen Herausforderungen im Zusammenhang mit dementier Erkrankten war die Folge. Ein Jahr später gründete sich die gemeinnützige Rudi Assauer Initiative Demenz und Gesellschaft, mit dem Ziel das Krankheitsbild Demenz aus der gesellschaftlichen Tabuzone herauszuholen. In Beirat der Initiative sind Persönlichkeiten wie Franz Müntefering, Fritz Pleiten, Clemens Tönnies und Heiner Kamps vertreten.

Rudi Assauer selbst nahm in Begleitung seiner Tochter Bettina Michel an dem Festakt anlässlich der Verleihung des Rudi Assauer Preises 2016 teil.