Opernstar Almerija Delic: Gelungenes Comeback nach Bühnenunfall dank erfolgreicher OP im St. Marien-Hospital Mülheim an der Ruhr
Erstellt von Katharina Landorff
04.05.2026 St. Marien-Hospital Mülheim an der Ruhr, Contilia
Es ist ein Sommerabend unter freiem Himmel – Schlossfestspiele in Heidelberg. Die Premiere von Carmen – ausgerechnet eine von Almerija Delics Lieblingsopern. Die junge Opernsängerin ist fest engagiert am Staatstheater Nürnberg, gastiert aber gleichzeitig an großen internationalen Häusern und in Deutschland unter anderem am Aalto-Theater Essen, der Oper Leipzig, am Staatstheater Kassel oder dem Staatstheater Braunschweig.
Zu ihren Paraderollen zählen Rollen wie die Judith (Herzog Blaubarts Burg), die Eboli (Don Carlo), Amneris (Aida), Kundry (Parsifal) oder die Marie (Wozzeck). Wenn sie von der Rolle als Carmen spricht, leuchten ihre Augen. „Carmen ist eine meiner längsten Paraderolle“, gibt sie zu, „ich habe sie schon oft gespielt.“ Doch an diesem Abend im Juni 2025 passiert während der Premiere ein Unfall.
In der Kartenarie wirft Carmen ihr Schicksal auf den Boden. Später, in einer Szene am Rand, streckt Almerija Delic kurz das Bein nach vorne. Sie macht einen Schritt und rutscht aus. „ich habe plötzlich einen Spagat gemacht – nach vorne – und dabei ist mein Bein verdreht“, erinnert sie sich zurück. Zwar ist die Opernsängerin sportlich, trainiert und auch kampfsporterfahren, aber einen Spagat, so sagt sie, könne sie in dem Ausmaß nicht.
Im Zuschauerraum hätte es wie eine große Operngeste wirken können, doch in Wahrheit ist es ein schwerer Unfall. Die Musik blieb melancholisch, szenisch passte der Sturz. Als ihr ein Kollege aufhalf, dachte sie sich: „Hast du jetzt einen Krampf?“ Aber sie kommt nicht mehr richtig hoch. Aufhören war trotzdem keine Option für Almerija Delic, denn der Kern der Oper, das Schlussduett, stand noch bevor. Sie spielt die Vorführung zu Ende, fast auf einem Bein, verdeckt unter einem langen Rock. Einzig und allein die hohen Schuhe ließ sie weg, das hätte sie nicht mit ihrem Schmerz vereinbaren können, erklärt sie.
Am nächsten Tag versuchte sie erneut zu spielen, doch das Bein wurde immer blauer und hatte kaum noch Kraft, also ging es in die Notaufnahme. Dort brachte eine MRT-Untersuchung Gewissheit: Sehnenabriss am hinteren Oberschenkel. Die Hauptsehne der ischiocruralen Muskulatur, der sogenannten Hamstrings, ist abgerissen. Für eine Opernsängerin ist das mehr als eine Sportverletzung: „Wir stehen ja nicht nur herum“, beschreibt Delic, „wir springen, tanzen und kämpfen auf der Bühne. Wir sind wie Sportler, das ist unser Beruf.“
Heute wirkt die Opernsängerin erleichtert: Sie steht erfolgreich auf der Bühne und kann dabei ihre vollständige Leistungsfähigkeit abrufen: stimmlich wie körperlich ist sie in einem Topzustand. Bereits im September 2025 konnte Sie nach der Operation auf die Bühne zurückkehren. Und große Projekte warten: Demnächst wird Almerija Delic die Gräfin Geschwitz in Lulu von Berg am Staatstheater Nürnberg singen und in der Rolle der Kundry in Wagners Parsifal auf einer Bühne in Schottland auftreten. Auch die Carmen steht wieder auf dem Programm, im Sommer in Heidelberg. Jeden Tag geht die Opernsängerin joggen und auch ihren Kampfsport kann sie wieder ausüben. Wie Sie es selbst ausdrückt: „Ich bin wieder ganz da!“
Der Weg dahin war nicht einfach. Nach dem Unfall brauchte es mehrere Beratungen, doch da die Verletzung sehr selten ist, rieten ihr die Ärzte in Süddeutschland nicht zur Operation. Auf Empfehlung eines Freundes kam Almerija Delic zu Traumatologie-Spezialisten Univ.-Prof. Dr. Marcus Jäger ins St. Marien-Hospital Mülheim an der Ruhr. Unfallchirurgische Besonderheiten zählen zu seinem Spezialgebiet, insbesondere auch bei Sportler:innen und Sportlern. Nach eingehender Anamnese empfahl Prof. Marcus Jäger der Künstlerin eine zeitnahe Operation: „Bei Almerija Delic war der kräftige Ansatz der Bizeps-Sehne vollständig am Sitzbein abgerissen, der zweite kürzere Sehnenanteil im Muskelbauch überdehnt. Ebenso waren relevant Anteile der Semitendinosus-Sehne am Sitzbein abgerissen. Das ist eine sehr komplexe Verletzung, seltener als ein Fall pro 100.000 Menschen im Jahr. Viele Operateure scheuen daher den Eingriff“, erklärt Prof. Dr. Marcus Jäger die Unfallfolgen und die Ausgangssituation.
„Die Sehnen waren bereits zurückgezogen. Sie mussten identifiziert, mobilisiert und mit Faden-Anker-Systemen wieder am knöchernen Becken fixiert werden“, beschreibt der Direktor zweier Fachkliniken am St. Marien-Hospital Mülheim an der Ruhr und am Essener Philippusstift. „Ohne eine Operation hätte der Muskel keine Kraft mehr entfalten können, was fatale Folgen für den beruflichen und privaten Alltag von Frau Delic bedeutet hätte: Hinken, Kraftverlust und auch das Risiko eines Karriereendes für die Opernsängerin standen im Raum. Die gute Nachricht damals wie heute: Die seltene Operation ist optimal verlaufen, Almerija Delic ist vollständig wiederhergestellt und kann ihre hohe körperliche Leistungsfähigkeit abrufen.
Diese erfolgreiche Genesung gelang nach der Operation mit intensiver Reha inklusive Muskelaufbau. Drei Monate nach dem Eingriff konnte Almerija Delic wieder vorsichtig zu trainieren, ein weiteres halbes Jahr später war die Patientin nach eigenen Aussagen beschwerdefrei. Auf der Opernbühne durfte sie zunächst keine extremen Bewegungen machen – insbesondere, durfte sie nicht springen, kein Risiko einzugehen. Das alles ist Vergangenheit.
Aktuell steht Almerija Delic wieder im Aalto-Theater in Essen bei „Candide“ von Bernstein auf der Bühne. Prof. Dr. Jäger hat eine Einladung angekommen und sich selbst von der Stimmgewalt und körperlichen Präsenz des Opernstars überzeugt. Für Almerija Delic ist jede Vorstellung seitdem ein kleines Wunder: „Ich kann wieder normal laufen und auftreten, all das verdanke ich Prof. Jäger.“
Text: KL, Foto: SSK
