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Wir ziehen den Hut vor denen, die jeden Tag für andere da sind

Erstellt von Mariano Iaccarino

12.05.2026 Contilia Pflege und Betreuung, St. Marien Quartier, Altersmedizin, Contilia, Karriere, Pflege

Zum Tag der Pflege sagen wir Danke – an Nadiia Shostak und an alle Pflegenden in unserem St. Marien Quartier

Wenn Nadiia Shostak über ihren Beruf spricht, dann klingt das nicht nach Routine. Es klingt nach einer echten Herzensangelegenheit und nach einem Verständnis dafür, was Pflege wirklich bedeutet. Nadiia Shostak ist 44 Jahre alt, Pflegehelferin und steht heute, am 12. Mai, stellvertretend für all die Menschen, die jeden Tag mit Herz, Geduld und Fachwissen für andere da sind.

Ihr Weg in die Pflege war nicht geradlinig. In ihrer Heimat, der Ukraine, hat sie über 20 Jahre als Journalistin gearbeitet. Sie war neugierig, suchte Geschichten, hörte Menschen zu, stellte Fragen und schrieb auf, was andere bewegte. 2022 kam Nadiia Shostak nach Deutschland und verließ ihr Zuhause aufgrund des Krieges. Sie kam mit ihrer Familie und wagte als Mutter einen neuen Anfang. Ihre Tochter war zu diesem Zeitpunkt 15 Jahre alt und lernte in der ukrainischen Schule Deutsch. In der neuen Umgebung in Schwelm hatte sie es oft leichter als ihre Mutter und ihre Großmutter. Nadiia Shostak selbst musste die Sprache erst Schritt für Schritt lernen. 

„Es war nicht einfach“, erzählt sie. „Die Sprache, die Bürokratie, das Telefonieren und manchmal hatte ich Angst, etwas falsch zu verstehen.“ Doch sie ließ sich nicht unterkriegen. Im ersten Jahr in Schwelm besuchte sie die Sprachschule und lernte viel Theorie. Sie bekam bald Unterstützung im Deutsch‑Ukrainischen Zentrum Schwelm e.V., das sie mitgründete. Nach und nach wurde ihr die deutsche Sprache vertrauter. Und mit jedem neuen Wort wuchs auch ihr Mut.

Heute sagt Nadiia Shostak, dass ihr früherer journalistischer Beruf und die Pflege mehr miteinander zu tun haben, als man auf den ersten Blick denkt. Als Journalistin musste sie aufmerksam sein, zuhören, zwischen den Zeilen lesen, Menschen ernst nehmen. Und genau diese Fähigkeiten braucht sie auch heute noch. „Pflege bedeutet, einen Menschen in seiner ganzen Geschichte zu sehen“, sagt die 44-Jährige.

Viele Bewohnerinnen und Bewohner, die Nadiia Shostack begleitet, erzählen ihr aus ihrem Leben. „Sie berichten von früher, von ihrer Familie, von Verlusten, Lieblingsbüchern, Musik, Rezepten und Traditionen“, sagt die Pflegehelferin. „Ich lerne von ihnen Feste wie Ostern oder Weihnachten auf eine neue Weise kennen.“ Besonders gerne liest sie gemeinsam mit ihnen, denn dabei festigt sie zugleich ihre Deutschkenntnisse. „Mit einer Bewohnerin lese ich am liebsten Harry Potter.“ Manchmal öffnen sich im Gespräch ganze Lebensgeschichten, die durch das Erzählen wieder lebendig werden. Nadiia Shostak hört zu, fragt nach, lernt dazu und nimmt sich Zeit.

Gerade das ist eine der großen Herausforderungen in der Pflege: die Zeit. Es gibt viele Aufgaben, viele Menschen und viele Bedürfnisse. Einige Freunde und frühere Kolleginnen in der Ukraine haben ihr geraten, sich genau zu überlegen, ob die Pflege der richtige Weg für sie ist. Doch heute weiß sie, dass dieser Beruf zu ihrem Wesen passe - zu ihrer Geduld, ihrem Interesse an Menschen und ihrem Wunsch, wirklich zu helfen. Was sie anderen rät, die noch überlegen in der Pflege zu arbeiten? „Behandle Menschen immer so, wie du selbst behandelt werden möchtest.“

Im Herbst beginnt Nadiia Shostak ihre Ausbildung zur Pflegefachassistentin. „Der Pflegeberuf gibt sehr viel zurück“, sagt die Ukrainerin. „Das kann ein Lächeln sein, ein Danke oder ein ruhiger Moment nach einem schwierigen Tag. Es kann auch das Vertrauen eines Menschen sein, der sich einem öffnet, oder das Gefühl, gebraucht zu werden.“ Für die Ukrainerin sind das keine Kleinigkeiten. Es sind die 

 

Momente, die zeigen, warum diese Arbeit so wertvoll ist. „Und ich möchte mich noch weiterentwickeln und weiterwachsen.“

Auch ihre eigene Geschichte ist eine Hilfe für Nadiia Shostak in ihrer Arbeit. Sie weiß, wie es sich anfühlt, neu anzukommen und zurechtfinden zu müssen. Sie kennt die Unsicherheit, die entsteht, wenn man vieles noch nicht versteht, und sie weiß, wie wichtig es ist, Hilfe annehmen zu dürfen. Vielleicht kann sie gerade deshalb besonders gut nachempfinden, was Bewohnerinnen und Bewohner empfinden, wenn sie Sorgen haben oder Orientierung brauchen. Sie begegnet ihnen in solchen Momenten mit Respekt, Ruhe und Wärme. „Für mich ist es am schönsten, wenn die Bewohner glücklich sind.“

Was Nadiia Shostak an der Pflege besonders schätzt, ist das Team. Sie spricht mit großer Dankbarkeit über ihre Kolleginnen und Kollegen, die einspringen, wenn Unterstützung benötigt wird. Von ihrem Wissen und praktischen Tipps profitiert sie jeden Tag. „So erinnern mich meine Kollegen regelmäßig, die Betten hochzustellen, weil es für das rückenschonende Arbeiten so wichtig ist“, erzählt sie lächelnd. Sie schätzt den Humor, der auch an schweren Tagen hilft, sowie den Zusammenhalt, der besonders dann spürbar wird, wenn es stressig ist. „Ich bin stolz auf das Team“, sagt sie. „Ich kann mich darauf verlassen. Gemeinsam schaffen wir alles.“ 

Anlässlich des Tags der Pflege möchte das St. Marien Quartier genau diese Leistung sichtbar machen. Pflege findet oft leise und unauffällig statt: in den Zimmern, auf den Fluren, am Bett, im Gespräch, beim Essenreichen, beim Trösten, beim Organisieren, beim Dokumentieren und manchmal auch einfach im Aushalten schwieriger Situationen. Manchmal ist es nur ein Moment am Morgen: ein kurzer Blick, ein Satz auf Deutsch, der für Nadiia Shostak heute besser gelingt als gestern, oder eine Bewohnerin, die beim Lesen lächelt. Pflege zeigt sich in einem freundlichen Wort, in einem sicheren Handgriff und in der Geduld, die nötig ist, wenn jemand zum dritten Mal dieselbe Frage stellt. Sie zeigt sich auch im Respekt vor einem Menschen, der Unterstützung braucht und trotzdem seine Würde behalten soll.

Nadiia Shostak steht heute stellvertretend für all diese Menschen. Sie steht für Pflegekräfte sowie Kolleginnen und Kollegen, die jeden Tag Verantwortung übernehmen. Sie steht für Menschen, die helfen, wenn die Kräfte nachlassen, und die da sind, wenn Angehörige Sorgen haben. 

Auf die Frage, was sie sich für die Zukunft wünscht, antwortet Nadiia Shostak nicht zuerst für sich selbst. Sie wünscht sich, dass die Pflege stärker wahrgenommen und anerkannt wird. Sie hofft, dass mehr Menschen verstehen, wie viel Fachlichkeit, Geduld und Herz und Liebe in diesem Beruf stecken. 

Und genau deshalb ziehen wir heute den Hut. Wir ziehen den Hut vor Nadiia Shostak, vor ihrem Weg und vor dem Mut, noch einmal neu anzufangen. Wir ziehen den Hut vor allen Pflegenden im St. Marien Quartier, die Tag für Tag für andere da sind, oft ohne großes Aufsehen.


Das Dankeschön gilt für all das, was man nicht immer sofort sieht: ruhige Worte, Humor im richtigen Moment, sichere Handgriffe und Dasein.


Pressekontakt: Sandra Lorenz
Bereichsleiterin Öffentlichkeitsarbeit und Soziales
Contilia Pflege und Betreuung GbmH
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