
Eine kleine Stillhilfe
Jedes Kind ist einzigartig und hat seine eigenen Bedürfnisse. Um einen optimalen Stillstart zu erreichen, ist intensiver Hautkontakt (Bonding) das A und O.
Um das gegenseitige Kennenlernen zu unterstützen und die Mutter-Kind-Beziehung zu stärken, arbeiten wir nach dem Konzept der integrativen Wochenbettpflege, welches das 24-Stunden Rooming-In beinhaltet.
Je häufiger Sie Ihr Kind stillen, desto schneller wird die Milchproduktion angeregt. Die Häufigkeit des Stillens variiert dabei zwischen 8 bis 24 mal pro Tag. Dadurch bedingt kommt es zu einer normalen Reizung der Brustwarzen, welche sich aber nach einigen Tagen wieder legt.
Die zurückgelehnte Stillposition ist nach den Anstrengungen einer Geburt und insbesondere einer Sectio sehr bequem für die Mutter. In der fast liegenden Haltung kann der Neugeborenenreflex eingesetzt werden, so dass das Kind intuitiv zur Brust robbt. Durch das eigenständige Andocken kommt es in der Regel zu weniger wunden Brustwarzen. Zudem wird ein stark Milchfluss durch die Schwerkraft ein wenig gedrosselt, so dass es Ihrem oft noch müdem Kind leichter fällt, die Milch zu trinken.
Wie erkenne ich, dass das Stillen funktioniert?
Eigene Anzeichen
- Nachwehen
- Wochenfluss läuft
- Durstgefühl
- Evtl. spürbare Veränderungen an der
- Brust (Kribbeln, Spannungsgefühl)
Anzeichen beim Kind
- Rhythmisches Saugen
- Schluckgeräusche
- Milchbart
- Feuchte Windeln
Es ist ganz normal und muss Sie nicht beunruhigen, dass Ihr Kind in den ersten Tagen Gewicht abnimmt. Das passiert bei allen Neugeborenen.
Stillen ist eine wunderbare, aber manchmal auch herausfordernde Erfahrung.
Fragen?
Egal, ob Sie Fragen zur richtigen Anlegetechnik haben, unsicher sind oder einfach nur individuelle Unterstützung benötigen – unsere Stillbegleiterinnen sowie geschulten Pflegekräfte und Ärzt:innen sind für Sie da, um Ihnen einen guten Stillstart zu ermöglichen und Sie während der Stillzeit zu begleiten.
Sie erreichen unsere Stillbegleiterinnen montags bis freitags von 09:00 bis 14:00 Uhr unter der Telefonnummer 0201 897 84343 sowie unter ellis-stillambulanz(at)contilia.de.
Wissenswertes
Clusterfeeding: Häufiges Stillen während der Wachstumsschübe
Clusterfeeding beschreibt Phasen, in denen ein Baby viele kleine, häufige Mahlzeiten dicht hintereinander einfordert. Besonders am späten Abend oder in der Nacht kommt dieses „Stillmarathon“-Verhalten häufig vor – genau dann, wenn der Prolaktinspiegel der Mutter am höchsten ist und die Milchproduktion besonders effektiv angeregt wird. Auch die eher kurzen, wiederkehrenden Stillphasen tragen zu einem erhöhten Prolaktinausstoß bei.
Muttermilch enthält vor allem abends und nachts schlaffördernde Substanzen, was zusätzlich erklärt, warum Babys in dieser Zeit häufiger trinken möchten. Clusterfeeding tritt oft während Wachstumsschüben auf und kann sich über mehrere Tage bis hin zu einigen Wochen erstrecken. Nach einer intensiven Phase folgt jedoch meist eine längere Schlafpause, die sowohl dem Baby als auch der Mutter etwas Erholung verschafft.
Clusterfeeding erfüllt gleich mehrere Bedürfnisse eines Babys:
- Beruhigung und Geborgenheit:
Das Saugen an der Brust wirkt entspannend und hilft Babys, sich zu regulieren. - Stärkung der Bindung:
Die häufigen, engen Stillkontakte intensivieren die Mutter-Kind-Beziehung. - Förderung der Milchproduktion:
Durch häufiges Anlegen erhält der Körper der Mutter das Signal, mehr Milch zu bilden. - Verarbeitung des Tages:
Besonders abends verarbeiten Babys viele Eindrücke – Stillen bietet hier Halt und Sicherheit.
Damit diese Phase möglichst entspannt gelingt, helfen folgende Strategien:
- Motiviert bleiben, regelmäßig anzulegen:
Das häufige Trinken ist normal und wichtig für die Milchbildung. - Clusterfeeding verstehen:
Wer weiß, warum Babys clustern, kann die Situation leichter annehmen. - Stillpositionen variieren und prüfen:
So lassen sich wunde Brustwarzen und Verspannungen vermeiden. - Keine Sorge um zu wenig Milch:
Ihre Brust produziert kontinuierlich nach. Zufüttern ist in der Regel nicht nötig. - Auf die eigenen Bedürfnisse achten:
Kurze Pausen sind wichtig – etwa indem der andere Elternteil zwischen den Stillphasen übernimmt, bondet oder beruhigt.
Stillfreundliches Zufüttern: Die Sonde als sanfte Unterstützung
Stillfreundliches Zufüttern mit einer Sonde ist eine Methode, die das Stillen unterstützt, ohne die natürliche Saugtechnik des Neugeborenen zu beeinträchtigen. Sie eignet sich besonders dann, wenn ein Baby zusätzliche Nahrung benötigt, aber weiterhin an der Brust trinken soll.
Vorteile des stillfreundlichen Zufütterns
Beim Zufüttern mit der Sonde bleibt das Baby direkt an der Brust und kann dort weiterhin das physiologische Saugen erlernen. Es erfährt dabei, dass es an der Brust satt wird – ein wichtiger Schritt für einen erfolgreichen Stillstart. Gleichzeitig wird durch das Saugen die Milchproduktion der Mutter weiter angeregt. Ein zusätzlicher Vorteil: Da Zufütterung und Stillen gleichzeitig stattfinden, spart diese Methode wertvolle Zeit.
Wie das Zufüttern mit der Sonde funktioniert
Für diese Methode wird Kolostrum oder abgepumpte Milch (bzw. ergänzende Nahrung, falls notwendig oder gewünscht) mit einer Spritze aufgezogen. Die Spritze wird auf die Sonde gedreht und diese anschließend mit einem hautfreundlichen Pflaster oberhalb der Brustwarze fixiert. Sie sollte bündig mit der Brustwarze abschließen oder nur minimal darüber hinausragen, damit das Baby sie beim Anlegen gut erfassen kann.
Beim Stillen liegt die Spitze der Sonde idealerweise mittig auf der Oberlippe des Neugeborenen. Sobald das Kind aktiv saugt, kann die Milch über die Spritze langsam und vorsichtig gegeben werden. Die Sonde kann für etwa 24 Stunden verwendet werden und sollte zwischen den Anwendungen mit kaltem Wasser durchgespült werden.
Muttermilch abpumpen
Wenn Sie Muttermilch für ihr Kind abpumpen möchten oder müssen, ist es ratsam, folgende Empfehlungen zu beachten:
- Hygiene
- Tägliches Duschen/Waschen
- Regelmäßiger Wechsel der Kleidung
- Vor dem Abpumpen ist es sehr wichtig, die Hände mit Seife gründlich zu waschen (zu Hause). In der Klinik reicht eine Händedesinfektion (Einwirkzeit: 30 Sekunden)
- Nach jeder Still- bzw. Pumpmahlzeit frische Stilleinlagen nehmen
- Beim Abpumpen das Pumpsystem alle 24 Stunden auswechseln
- Flasche und Deckel nur von außen berühren - Sorgen Sie für eine entspannte Atmosphäre und nehmen Sie sich einen Moment Zeit, um zur Ruhe zu kommen.
- Um den Milchfluss natürlich anzuregen, können Sie zu Beginn für etwa zehn Minuten Wärme anwenden, zum Beispiel mit einem warmen Tuch. Alternativ eignet sich auch eine sanfte Brustmassage (siehe Abbildungen auf der nächsten Seite). Beides unterstützt die reichliche Milchbildung und bereitet das Brustgewebe ideal auf das Abpumpen vor.
- Für das erfolgreiche Abpumpen empfehlen wir, möglichst ein Doppelpumpset zu verwenden. Dies spart Zeit und fördert die Milchbildung. Pumpen Sie beidseits etwa 15 Minuten lang ab.
- Achten Sie beim Ansetzen der Absaughaube darauf, dass sich die Brustwarze mittig im Trichter befindet und weder geknickt noch gerieben wird. Eine korrekte Positionierung sorgt für Komfort und verhindert Hautirritationen.
- Um die Milchbildung optimal zu unterstützen, sollten Sie 6 bis 8 Mal täglich abpumpen, darunter mindestens einmal in der Nacht. Die nächtliche Pump- oder Stillmahlzeit ist besonders wichtig, da in dieser Zeit das milchbildende Hormon Prolaktin am höchsten ist.
Kolostrum gewinnen
Kolostrum, auch als "Neugeborenenmilch" bezeichnet, ist die erste Form von Muttermilch, die in den ersten 2 bis 4 Tagen nach der Geburt produziert wird, bevor die „reife“ Muttermilch einsetzt. Es hat eine entscheidende Bedeutung für die Gesundheit und Entwicklung des Neugeborenen.
Eigenschaften und Vorteile von Kolostrum
- Reich an Nährstoffen: Kolostrum enthält mehr Proteine, Mineralien und fettlösliche Vitamine im Vergleich zur späteren „reifen“ Muttermilch. Dies hilft, das Immunsystem des Neugeborenen zu stärken und die Entwicklung des Körpers zu unterstützen.
- Schutz vor Infektionen: Aufgrund seiner hohen Konzentration an Antikörpern und Immunzellen schützt Kolostrum das Baby vor Infektionen, indem es einen ersten Schutzschild gegen Krankheitserreger bildet.
- Unterstützung der Verdauung: Kolostrum ist leicht verdaulich und unterstützt den reifen Darm des Neugeborenen. Es fördert die gesunde Besiedlung des Darms mit nützlichen Bakterien.
- Verhinderung von Neugeborenengelbsucht: Es kann dazu beitragen, das Risiko einer Neugeborenengelbsucht zu verringern, indem es die Ausscheidung von Bilirubin fördert.
- Stabilisierung des Blutzuckers: Kolostrum hilft, den Blutzuckerspiegel des Neugeborenen in den ersten Stunden nach der Geburt stabil zu halten, was besonders wichtig für den Stoffwechsel des Babys ist.
- Geringe Produktionsmenge: Kolostrum wird in den ersten Tagen nur in geringen Mengen produziert, was jedoch ausreichend ist, um das Neugeborene mit den benötigten Nährstoffen zu versorgen.
Kolostrum ist also nicht nur ein wichtiger Bestandteil der frühen Ernährung, sondern auch ein entscheidender Faktor für die gesunde Entwicklung und das Wohlbefinden des Babys. Trotz der geringen Menge ist es hochkonzentriert und bietet in dieser Zeit unverzichtbare Vorteile, die mit der späteren „reifen“ Muttermilch nicht in gleicher Form vorhanden sind. In den ersten Tagen nach der Geburt ist der Magen Ihres Kindes noch winzig und kann nur sehr kleine Mengen Muttermilch vertragen. Die Menge des Kolostrums reicht deshalb vollkommen aus.
Auch die „reife“ Muttermilch kann weiterhin per Hand gewonnen werden!
Haltbarkeit der Muttermilch
- Bei Zimmertemperatur 4 Stunden (später zu Hause 6 bis 8 Stunden)
- Im Kühlschrank 48 Stunden (später zu Hause 72 Stunden)
- Im Gefrierfach 6 Monate (mindestens -17°C, bis -21°C)
Muttermilch schonend Auftauen – so geht es richtig
Damit wertvolle Inhaltsstoffe und die Qualität der Muttermilch bestmöglich erhalten bleiben, sollte sie immer schonend aufgetaut werden. Dafür stehen Ihnen mehrere sichere Methoden zur Verfügung:
- Auftauen bei Raumtemperatur
Stellen Sie den gefrorenen Behälter einfach bei Zimmertemperatur ab und lassen Sie die Milch langsam auftauen. Dies ist eine besonders sanfte Methode. - Im lauwarmen Wasserbad
Sie können die Milch auch in einem lauwarmen (nicht heißen!) Wasserbad auftauen. Achten Sie darauf, dass kein Wasser in den Behälter gelangt und die Temperatur gleichmäßig niedrig bleibt. - Über 24 Stunden im Kühlschrank
Die sicherste und nährstoffschonendste Variante ist das Auftauen der Muttermilch im Kühlschrank. Legen Sie den gefrorenen Behälter für etwa 24 Stunden ins Kühlfach. Danach kann die Milch innerhalb eines festgelegten Zeitraums genutzt werden.
Wichtig:
Muttermilch darf niemals in der Mikrowelle aufgetaut oder erwärmt werden. Die Mikrowelle kann wertvolle Inhaltsstoffe zerstören und zu ungleichmäßiger Erwärmung führen und somit eine Gefahr für Ihr Baby darstellen.
Füttern mit der Flasche
Abgestillte Kinder werden mit einer Saugflasche gefüttert. Manche Eltern entscheiden sich auch für die Flaschenfütterung ihres gestillten Kindes, wenn eine Zufütterung notwendig oder erwünscht ist.
Auch die Flaschenfütterung sollte dem physiologischen Bedarf des Kindes nahekommen, wobei das Stillen als Vorbild gesehen werden sollte. Viele Aspekte des Stillens können in die Flaschenfütterung integriert werden.
Füttern mit der Flasche – so gelingt es bindungsorientiert und sicher
- Beim Füttern mit der Flasche geht es nicht nur um Nährstoffaufnahme, sondern auch um Nähe, Sicherheit und Bindung. Halten Sie während des Fütterns Blickkontakt mit Ihrem Baby – das stärkt seine emotionale Entwicklung und hilft ihm, sich geborgen zu fühlen.
- Legen Sie Ihr Kind nach jeder Stillmahlzeit abwechselnd in den rechten und linken Arm. Dieser Wechsel unterstützt nicht nur eine gleichmäßige sensorische Stimulation, sondern verhindert auch einseitige Belastungen und orientiert sich am natürlichen Wechsel der Stillpositionen.
- Achten Sie zudem auf Körperkontakt, idealerweise sogar Hautkontakt. Studien zeigen, dass Hautkontakt den Herzschlag beruhigt, die Temperaturregulation unterstützt und die Bindung zwischen Bezugsperson und Kind intensiviert.
Viele Aspekte des Stillens können in die Flaschenfütterung integriert werden
- Füttern Sie Ihr Kind nach Bedarf – nicht nach der Uhr
- Beim Fläschchengeben ist das Füttern nach Bedarf ebenso wichtig wie beim Stillen. Zwingen Sie Ihr Kind nie zum Trinken – es sollte selbst bestimmen dürfen, wann und wie viel es trinken möchte. Ein Sauger mit kleinem Loch sorgt für einen langsameren Milchfluss und ermöglicht dem Baby, sein Tempo selbst zu regulieren.
- Achten Sie auf frühe Hungerzeichen, wie Suchbewegungen, Händchen zum Mund führen oder Anzeichen von Unruhe. Halten Sie Ihr Baby beim Füttern aufrecht, um das Trinken zu erleichtern. Berühren Sie die Lippen des Kindes sanft mit dem Sauger und warten Sie, bis es den Mund öffnet und den Sauger eigenständig einsaugt.
- Halten Sie die Flasche eher flach, sodass die Milch langsamer fließt – dies ähnelt dem natürlichen Stillen und erlaubt es, den „Milchspendereflex“ abzuwarten. Zwischendurch kann das Baby leicht „geschwenkt“ werden, um Pausen zu ermöglichen.
- Beobachten Sie aufmerksam die Signale Ihres Kindes, die zeigen, dass es eine Pause braucht oder nicht mehr weitertrinken möchte – etwa das Herausschieben des Saugers oder Wegdrehen des Kopfes. Drängen Sie das Baby nicht dazu, die Flasche zu leeren. Hilfreich kann es sein, eine Socke von unten über die Flasche zu ziehen, um weniger auf die Füllmenge und stärker auf die Bedürfnisse des Kindes zu achten.
- Um eine sichere Bindung zu seinen Bezugspersonen zu fördern, sollten nur wenige vertraute Personen das Baby füttern.
Lassen Sie sich nicht davon beunruhigen, dass Ihr Kind in den ersten Tagen nach der Geburt an Gewicht verliert. Das ist ganz natürlich und bedeutet nicht, dass es unzureichend trinkt.
Frühzeitige Hungerzeichen – die Signale Ihres Babys richtig deuten
Babys zeigen meist schon früh, dass sie Hunger haben – lange bevor sie weinen. Diese frühen Signale zu erkennen, hilft dabei, stressfreie und bedürfnisorientierte Fütterungs- oder Stillmomente zu ermöglichen.
Typische Hungerzeichen sind:
- Unruhe des Kindes – Ihr Baby wird wacher, bewegt Arme und Beine.
- Rollen mit den Augen – ein Zeichen steigender Aktivität und Suchbereitschaft.
- Rausstrecken der Zunge – das Baby bereitet sich auf das Saugen vor.
- Schmatzen – leise Saug- oder Schmatzgeräusche deuten deutlich auf Hunger hin.
- Saugen an der Hand – Ihr Baby sucht nach etwas, das es beruhigt und nährt.
- Suchbewegungen – Kopf und Mund bewegen sich hin und her, als würde das Baby die Brust oder Flasche suchen.
Wer diese frühen Signale wahrnimmt, kann sein Baby rechtzeitig und entspannt füttern – bevor Frust oder Weinen entstehen.
Woran sehe ich, dass mein Kind satt ist?
- Der Saug- und Schluckreflex lässt nach
- Ihr Kind entspannt sich
- Es hat regelmäßig feuchte Windeln
Versuchen Sie, Ihr Kind bäuern zu lassen, aber bedenken Sie, nicht jedes Kind macht auch ein Bäuerchen.


