Duell mit der Zeit: Was im Notfall wirklich zählt

12.11.2019 Contilia, Herz und Gefäße, Notfallmedizin

Die Contilia veranstaltet in diesem Jahr das 2. Notfallsymposium Ruhr. Experten aus den Bereichen Pflege, Medizin, Rettungsdienst aus dem gesamten Ruhrgebiet treffen sich am Freitag und Samstag, 15. und 16. November, auf Zollverein. Unter dem Titel „Mannschaftsspiel Notfallmedizin“ erfahren die Teilnehmer im Oktogon Neues zum Thema Großschadensereignisse, aktuelle Studien werden vorgestellt und auch das Thema „Gewalt in der Notfallmedizin“ wird diskutiert. Das abwechslungsreiche Programm lädt darüber hinaus zu zahlreichen Workshops ein.

Ein Blick hinter die Kulissen
Schnelligkeit allein ist kein Qualitätsmerkmal, auch nicht in der Notfallmedizin. Wer sich dem Duell mit der Zeit stellt, braucht mehr als flinke Hände, um als Sieger von der Bahn zu gehen: die richtige Strategie, Präzision, viel Erfahrung, ein verlässliches Team sowie eine große Portion Menschenkenntnis und Empathie. Denn an keinem anderen Ort im Krankenhaus ist die physische und psychische Gemengelage so groß wie in der Zentralen Notaufnahme.
Hier trifft der gerade eingelieferte Herzinfarktpatient auf den gestressten Angestellten, der mit seinen Rückenschmerzen der Einfachheit halber in die Notaufnahme kommt, statt den langwierigen Weg über Haus- und Facharzt zu gehen. Hier begegnen sich die alleinlebende Seniorin, deren Einsamkeit ihr auf den Magen drückt, und der übermütige Jugendliche, dessen Arm bei einer Mutprobe nicht ganz unbeschadet blieb. „Unsere wichtigste Botschaft lautet: Wir schicken niemanden weg. Jeder, der die Zentrale Notaufnahme betritt, wird mit seinem Anliegen ernst genommen und bekommt unsere Aufmerksamkeit“, betont Marco Mighali, Leitender Oberarzt in der Zentralen Notaufnahme des Elisabeth-Krankenhauses, und ergänzt: „Natürlich ist längst nicht jeder, der in die Notaufnahme kommt, schwer krank. Oftmals geht es auch einfach darum, Symptome einzuordnen, eine erste Diagnose zu stellen und Sorgen zu nehmen. Aber auch das zählt zu den Aufgaben der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Contilia Notaufnahmen.“

Engagement und Erfahrung
Dass die ZNA der Contilia zu den ersten Adressen für die Essener Bürger in Notsituationen gehören, liegt an verschiedenen Faktoren. Zuallererst natürlich am Engagement der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Aber auch die teils jahrzehntelange Erfahrung und der gute Zusammenhalt innerhalb der Teams spielen eine wichtige Rolle. „Einige unserer Mitarbeiter sind seit fast 30 Jahren bei uns, also seit der Zeit, als die ZNA hier als eine der ersten überhaupt in Essen entstand. Klar, dass da jeder Handgriff sitzt, die Abläufe routiniert sind und mit Bedacht gehandelt wird“, erklärt Marco Mighali. Und schließlich schätzen Patienten ebenso wie die Notfallsanitäter der Rettungswagen den respektvollen Umgang und die Zusammenarbeit auf Augenhöhe. Und auf beides wird in den Notfallteams größten Wert gelegt. Schließlich sind sich Ärzte wie Marco Mighali ihrer Rolle als „Visitenkarte des Hauses“ vollauf bewusst: „Wer bei uns in der ZNA schlechte Erfahrungen macht, überträgt diese auf die gesamte Contilia Gruppe. Es liegt darum an uns, der exzellenten medizinischen Versorgung in unseren Häusern durch die Vermittlung eines positiven ersten Eindrucks gerecht zu werden.“

Professionelle Prozesse und Vernetzung
Apropos Contilia Gruppe: Seitdem auch die ehemaligen Katholischen Kliniken Essen zur Contilia Familie gehören, stellt diese insgesamt fünf Notaufnahmen: im Elisabeth-Krankenhaus, im St. Josef-Krankenhaus, im Philippusstift, im St. Vincenz-Krankenhaus und im Marien-Hospital in Mülheim. Klar, dass unter den Leitern der Einrichtungen ein reger Erfahrungsaustausch stattfindet und das Wissen der verschiedenen Standorte untereinander geteilt wird. „Die gute Vernetzung sorgt letztlich für eine noch bessere Patientenversorgung. Zum einen, weil wir nun Anlaufstellen über das gesamte Stadtgebiet haben. Zum anderen, weil mittlerweile nahezu alle medizinischen Fachrichtungen unter dem Contilia Dach zu finden sind und wir damit ein extrem breites Behandlungsspektrum abdecken können“, so Dr. Mathias Käunicke, Leiter des Herzkatheterlabors und kommissarischer Leiter der Notaufnahme am Philippusstift in Borbeck.
Bei dem Erfahrungsaustausch geht es nicht immer nur um medizinische Angelegenheiten, sondern auch um die Übertragung von Prozessen. Im Elisabeth-Krankenhaus beispielsweise arbeitet die ZNA bereits seit einigen Jahren nach der sogenannten Manchester-Triage. Dahinter verbirgt sich ein strukturierter Prozess, der die Abläufe optimieren und die Versorgung verbessern soll. Ein Baustein der Manchester-Triage ist die Einteilung der Patienten in fünf Schweregradgruppen. Nach einer ersten Einschätzung werden die Patienten farblichen Gruppen zugeteilt, die anzeigen, mit welcher Priorität sie behandelt werden müssen. So wird vermieden, dass der Rückenschmerz vor dem potenziellen Herzinfarkt dran kommt – auch wenn die Person mit schmerzendem Kreuz früher in der ZNA vorstellig wurde. Marco Mighali: „Das Manchester- Triage-System ist letztlich ein Werkzeug, um die Qualität in der Versorgung zu steigern. Es umfasst einheitliche und strukturierte Behandlungspfade, die sich in der Praxis bewährt haben. Im Elisabeth-Krankenhaus haben wir das Modell schon 2015 eingeführt, nun teilen wir unser Wissen mit den anderen Standorten.“
Von den Erfahrungen des ZNA-Teams des Elisabeth-Krankenhauses profitiert beispielsweise auch das Team von Dr. Thomas Franke, Leiter der ZNA am Marien-Hospital in Mülheim: „Neue gesetzliche Regelungen sehen vor, dass künftig alle ZNA nach einem System wie der Manchester-Triage arbeiten müssen. Wir sind darum bestrebt, den bereits angestoßenen Prozess in unserem Haus möglichst zügig voranzutreiben. Dabei hilft natürlich der Austausch mit den Kollegen, der uns unter Umständen davor bewahrt, ähnliche Fehler bei der Einführung zu machen.“ In Summe gesehen ist die Notfallmedizin also alles andere als das schnelle Geschäft im Krankenhausbetrieb. Vielmehr ist es der Bereich, in dem die medizinischen Tugenden besonders intensiv gelebt und gepflegt werden müssen.

Zahlenhäppchen

  • 64 Prozent aller Rettungswagen-Einsätze im Essener Stadtgebiet haben eine der Contilia Notaufnahmen zum Ziel.
  • Die ZNA am Elisabeth-Krankenhaus betreut jährlich über 50.000 Patienten.
  • Etwa 34.000 Patienten davon werden von den Ärzten als echte Notfälle eingestuft.
  • Bei den restlichen knapp 15.000 Patienten handelt es sich um Menschen mit minder schweren Erkrankungen oder solchen, die zur Nachsorge kommen.