Erste Behandlung mit neuem, bioresorbierbarem Gefäßgerüst

12.09.2016 Herz und Gefäße

Dr. Thomas Schmitz führt erste Implantation mit selbstauflösendem Gefäßgerüst nach dessen Marktzulassung in Deutschland durch. Verengte Blutgefäße können somit offen gehalten und einem Herzinfarkt kann vorgebeugt werden.

Eine innovative Methode für Patienten mit koronaren Herzerkrankungen führte jetzt Dr. Thomas Schmitz, Oberarzt im Contilia Herz-Gefäßzentrum und Leiter des Herzkatheterlabors im Elisabeth-Krankenhaus Essen. Zur Behandlung eines verengten Blutgefäßes setzte Schmitz einem Patienten das neue Gefäßgerüst eingesetzt, das sich im Körper innerhalb von circa 12 Monaten von selbst auflöst. Das zuvor verengte Gefäß ist wieder offen und kann seine natürliche Funktion aufnehmen. Die Langzeitsicherheit und Wirksamkeit des selbstauflösenden Gefäßgerüsts wurde erst kürzlich auf einem internationalen Kardiologenkongress, dem EuroPCR in Paris, erfolgreich bestätigt.

Revolutionäre Medizintechnik aus der Schweiz

„Das neue Gefäßgerüst ist eine bahnbrechende und vielversprechende Weiterentwicklung in der Behandlung von Patienten mit verengten Blutgefäßen. Es lässt sich ähnlich einem herkömmlichen Stent durch einen minimalinvasiven Eingriff einsetzen. Bei diesem magnesium-basierten Gefäßgerüst wurde eine optimale Balance zwischen der Stützkraft, der Biokompatibilität und den bioresorbierbaren Eigenschaften angestrebt“, so Schmitz. „Im Gegensatz zu einem herkömmlichen Implantat ‚verschwindet’ es nach etwa zwölf Monaten nahezu vollständig wieder von selbst aus dem Körper, nachdem es seine Aufgabe erfüllt hat.“

Eigenschaften dank Magnesiumlegierung

Gerät der Blutfluss im Körper ins Stocken, weil eine Gefäßverengung oder gar ein Gefäßverschluss vorliegt und damit ein Herzinfarkt droht, wird es oft mit Hilfe eines gitterförmigen Metallröhrchens – einem sogenannten Stent – stabilisiert. Diese Stents sind heutzutage mit Medikamenten beschichtet, die die Wiederverengung der Gefäße verhindern sollen. Bislang behält ein Patient den einmal eingesetzten Stent ein Leben lang.

Die Idee hinter dem neuartigen Gefäßgerüst: Es stabilisiert die Gefäßwand nur solange, bis das Gefäß wieder aus eigener Kraft offen bleiben kann und es dann ungehindert seine natürliche Funktion erfüllen kann. In dieser Zeit verhindert eine Medikamentenbeschichtung ein unerwünschtes Zellwachstum und damit eine erneute Wiederverengung des Gefäßes. Innerhalb von zwölf Monaten baut es sich im Körper nahezu vollständig ab. Möglich macht dies ein Gerüst aus einer biokompatiblen Magnesiumlegierung. Magnesium ist das viertwichtigste Element im Körper und ist für die Muskel- und Nervenfunktion sowie für die kardiovaskuläre Gesundheit von Bedeutung.