Es ist die Speiseröhre und nicht das Herz

Erstellt von Dorothee Renzel

20.09.2019 Contilia, Viszeralmedizin

Jackhammer-Symptom ist der Name der eher seltenen Erkrankung der Speiseröhre, der das Team um Privat-Dozentin Dr. Brigitte Schumacher im Elisabeth-Krankenhaus Essen die richtige Therapie entgegensetzt.

Jackhammer-Symptom ist der Name der eher seltenen Erkrankung der Speiseröhre, der das Team um Privat-Dozentin Dr. Brigitte Schumacher im Elisabeth-Krankenhaus Essen die richtige Therapie entgegensetzt. Bei der Erkrankung handelt es sich um durch Muskelverdickungen in der Speiseröhre ausgelöste Krämpfe. „Die Folge dieser Krämpfe, die sich für die Betroffenen wie Schläge eines Presslufthammers anfühlen, sind massive Brustschmerzen“, erläutert PD Dr. Brigitte Schumacher, Chefärztin der Klinik für Innere Medizin und Gastroenterologie. „Die Symptome sind so, dass die meisten Patienten von einem Herzinfarkt ausgehen.“

Immer wieder erzählen Patienten ihre Geschichte, die eine Odyssee  von Arztbesuchen beinhaltet. Nicht selten beruhige der Kardiologe den Patienten, indem die Auswertung des EKG keinen Infarkt bestätige. „Aber das Leiden des Patienten geht weiter. Viele unserer Patienten nehmen nur noch breiige Nahrung zu sich, müssen erbrechen, fühlen sich unwohl. Nicht selten ist das Ergebnis der nichtdiagnostizierten Erkrankung der soziale Rückzug“, erzählt Dr. Dani Dakkak, Oberarzt in der Klinik für Innere Medizin und Gastroenterologie.

PD Dr. Brigitte Schumacher und ihr Team sind in der Lage dank spezieller Untersuchungsmethoden die Muskelverdickungen festzustellen und zu orten. „Wie messen bei den betroffenen Patienten mit einem besonderen medizinischen Gerät den Druck der Speiseröhre. Dort, wo der Wert der Messung hoch sei, sitze die Verdickung. „Die verdickten Muskelstränge durchtrennen wir, das passiert unter Vollnarkose mit einem endoskopischen Eingriff“, erläutert PD Dr. Brigitte Schumacher.

Im Jahr finden rund 20 Patienten mit Jackhammer den Weg in die Klinik für Innere Medizin und Gastroenterologie des Elisabeth-Krankenhauses Essen. „Aber ich bin fest davon überzeugt, dass die Dunkelziffer der Betroffenen viel höher ist“, so Dr. Dani Dakkak. Auch 90 Prozent der Patienten, die die Gastroenterologie des Elisabeth-Krankenhauses Essen aufsuchen, waren zunächst beim Herzspezialisten.

Wie es zu der Muskelverdickung kommt, was die Ursache ist, ist nicht bekannt. Bisher gibt es auch keine Studien, die etwas darüber aussagen, wie lang die Betroffenen nach dem Eingriff beschwerdefrei sind. „Das liegt aber auch daran, dass das Verfahren noch relativ neu ist und es noch keine Langzeitdaten gibt“, so die Chefärztin. „Ich sehe den Erfolg des Eingriffs bei meinen Patienten. 85 Prozent der von uns behandelten Patienten sind nach dem Eingriff beschwerdefrei.“