Fit trotz Dialyse 30 Jahre Sport als Therapie

 „Vor 30 Jahren habe ich die Idee aus den USA mitgebracht und die erste Sportgruppe für chronisch Nierenkranke sowie Dialysepatienten hier in Essen ins Leben gerufen“, erinnert sich Privatdozent Dr. Anton Daul, Direktor der Klinik für Nephrologie und Dialyse im Elisabeth-Krankenhaus Essen sowie der gleichnamigen Klinik im St. Marien-Hospital Mülheim an der Ruhr.

Bundesweit gehörte Daul damit zu den Vorreitern, als sich die von ihm betreute Sportgruppe anfangs in der Turnhalle der Traugott-Weise-Schule traf. Anlässlich des runden Jubiläums „30 Jahre Nierensport in Essen“ hatte die Klinik für Nephrologie des Elisabeth-Krankenhauses jetzt Patienten und Angehörige zu einem Mitmachfest in die Turnhalle des Franz Sales Hauses an der Steeler Straße in Essen eingeladen. Natürlich ging es auch hier sportlich zu!

Neben den sportlichen Aktivitäten, die an diesem Tag im Mittelpunkt standen, hielt Dr. Anton Daul einen Vortrag, der den Besuchern einmal mehr die Wichtigkeit von körperlicher Fitness bei einer chronischen Nierenerkrankung näher brachte. „Die Problematik bei Dialysepatienten liegt darin, dass mehrere Faktoren dazu führen, dass die körperliche Leistungsfähigkeit um bis zu 60 % abnimmt“, erläuterte der Experte. Deshalb sei es besonders wichtig, sich regelmäßig zu bewegen.

Training während der Dialyse

In all den Jahren hat Dr. Daul die Erfahrung gemacht, dass chronisch Nierenkranke, die lebenslang auf die Dialyse angewiesen sind, nicht immer so mobil sind, dass sie zum regelmäßigen Sporttreff in die Turnhalle kommen können. Da der Nierenspezialist aber die Wichtigkeit des Sports kennt, hat er Mitte der 90er Jahre das Training während der Dialyse, direkt im Patientenbett, eingeführt. „In unserer Klinik gibt es spezielle Bett-Ergometer. Zusätzlich bieten gymnastische Übungen und ein gezieltes Krafttraining die Gelegenheit, Kraft und Kondition aufzubauen“, berichtete Dr. Daul. Die Patienten durchlaufen während der fünfstündigen Blutwäsche-Sitzung, die drei Mal pro Woche ansteht, ein spezielles Übungsprogramm. Einige ältere Patienten haben so von diesen Übungen profitiert, dass Sie nach einigen Monaten nicht mehr mit dem Krankenwagen zur Dialyse gebracht werden mussten und sich zu Hause wieder selbst versorgen konnten. 

Soziale Kontakte durch Sport in der Gruppe 

Das Mitmachfest war aber auch Gelegenheit für die Besucher, Bekannte und andere Betroffene zu treffen – Sport zu treiben oder sich in Gesprächen auszutauschen. Besonders gefreut hat Dr. Anton Daul, dass einige Patienten der ersten Sportgruppe den Weg zum Fest, gefunden hatten. Seine Überzeugung, dass Sport in der Gruppe den chronisch kranken Patienten besonders gut tut, bestätigte Marlis Breyl. „Das Training in der Nierensportgruppe hat mir aus der Isolation geholfen und so habe ich neue Freunde gefunden“, betont die ältere Dame, die heute nierentransplantiert ist.