Rechtzeitig zum Arzt - Amputationen vermeiden

Erstellt von Dorothee Renzel

07.07.2020 Diabetes, Herz und Gefäße

„Angefangen hat alles mit einer Blutblase am kleinen Zeh"

Foto: Contilia, Dorothee Renzel
Foto: Contilia, Dorothee Renzel

Am Tag seiner Entlassung ist Gerd Schulze nur froh, dass er rechtzeitig den Weg ins Elisabeth-Krankenhaus Essen gefunden hat. „Angefangen hat alles mit einer Blutblase am kleinen Zeh“, erinnert sich der 70Jährige. „Das hätte böse enden können. Wenn ich länger gezögert hätte, wäre ich um eine Amputation des Unterschenkels oder des gesamten Beins möglicherweise nicht herumgekommen“, erzählt der Rentner.

Er habe die Blutblase kurzerhand selbst aufgestochen, sich nichts dabei gedacht. Aber aufgrund seiner Diabeteserkrankung habe die Wunde nicht heilen wollen. „Es war wirklich eine tückische Wunde, durch die es dann zu Durchblutungsschwierigkeiten in meinem linken Bein kam“, erinnert sich Gerd Schulze. „Auch wenn ich den kleinen Zeh nun amputiert bekommen habe, bin ich mir sicher, dass es hätte noch schlimmer enden können“, so der Mülheimer. Deshalb wolle er gerade andere ältere Menschen – aber auch jüngere – darin bestärken, sich bei Beschwerden an einen Arzt oder auch direkt ans Krankenhaus zu wenden. „Ich bin Diabetiker, habe nur noch eine Niere und bin herzkrank. Was Corona angeht gehöre ich also zu Risiko-Gruppe, aber ich habe mich hier immer sicher und gut aufgehoben gefühlt“, so Schulze.

„Es ist wichtig, dass die Patienten bei Beschwerden zu ihrem Hausarzt oder Gefäßspezialisten, im Notfall auch direkt in die Klinik gehen“, appelliert auch Prof. Johannes Hoffmann, Chefarzt der Klinik für Gefäßchirurgie und Phlebologie im Contilia Herz- und Gefäßzentrum. Kein Betroffener solle das Problem auf die lange Bank schieben, so der erfahrene Gefäßchirurg. „Bei schmerzhaften Schwellungen der Beine kann immer auch eine Thrombose dahinter stecken, die vom Facharzt durch eine einfache Ultraschalluntersuchung ausgeschlossen werden kann.“ Mit Blick auf seinen Patienten Gerd Schulze betont der Mediziner, dass auch bei nicht heilenden Wunden am Bein häufig eine Durchblutungsstörung in den Venen oder der Schlagader verantwortlich sei. „Herr Schulze hat rechtzeitig einen Arzt aufgesucht, durch eine Operation konnten wir ihm helfen.“

Immer wieder komme es in den letzten Wochen aber vor, dass Patienten sich sehr spät mit ihren Beschwerden an ihren Arzt wenden. „Wenn eine Schlagader über 12 Stunden verschlossen ist, ist es um ein vielfaches schwieriger diese wieder zu eröffnen. Vermeidbare Amputationen müssen dann oftmals doch durchgeführt werden“, erläutert der Experte. Prof. Johannes Hoffmann: „Gerade chronisch erkrankte Patienten – wie Diabetiker und Patienten mit peripherer arterieller Gefäßerkrankung (PAVK)  - sollten auf jeden Fall ihre regelmäßigen Termine bei ihrem Gefäßmediziner wahrnehmen!“       

Klinik für Gefäßchirurgie und Phlebologie 

Die Klinik für Gefäßchirurgie und Phlebologie im Elisabeth-Krankenhauses Essen versorgt im Jahr über 1000 Patienten mit peripherer arterieller Verschlusskrankheit (PAVK) und ist damit die größte Gefäßklinik in Essen. Es werden alle Verfahren zur Durchblutungsverbesserung in enger Absprache mit Angiologen und Radiologen durchgeführt. Das interdisziplinäre Gefäßzentrum im Elisabeth Krankenhaus Essen als integraler Bestandteil des Contilia Herz- und Gefäßzentrums ist als eines von wenigen Gefäßzentren in Deutschland von allen drei Fachgesellschaften (Gefäßchirurgie, Angiologie, Radiologie) zertifiziert. Es gilt der Grundsatz der kurzen Wege und der interdisziplinären  Zusammenarbeit. Das Motto ist: „maximal effektiv und minimal invasiv“.

Insbesondere werden auch Kombinationseingriffe zur Durchblutungsverbesserung (sogenannte Hybridoperationen) angeboten. Dies bedeutet, dass gleichzeitig operiert wird und Verengungen z.B. durch Ballonanwendung oder Stenteinpflanzung behandelt werden. Diese Behandlungsmetoden bedeuten für den Patienten einen Abnahme des Operationstraumas und eine Verringerung der Behandlungsschritte.