Kleiner Eingriff, große Wirkung Schwangerschaft und Geburt

Ein unerfüllter Kinderwunsch bedeutet für die Paare oft eine große Belastung. Dr. Norbert Nosal ist Oberarzt in der Frauenklinik des Elisabeth-Krankenhauses Essen und Spezialist für Gynäkologische Endoskopie. Er erklärt, warum es mit dem Schwangereren manchmal nicht klappt - und wie eine minimalinvasive Operation helfen kann. 

Ist die Frau jünger als 35, raten wir den Paare, es bis zu 12 Monate spontan zu versuchen. Ab 35 Jahren wird nach 6 Monaten zu einem Beratungsgespräch beim behandelnden Frauenarzt geraten. Die Ursachen sind vielfältig. Bei etwa 40 Prozent der Paare liegt der Grund beim Mann, bei 40 Prozent bei der Frau und bei 20 Prozent liegt bei beiden eine Fruchtbarkeitsstörung vor. Kann durch eine Spermienuntersuchung beim Urologen die Störung beim Mann ausgeschlossen werden, sollte sich das Paar an einen Gynäkologen wenden. Er kann abklären, ob eine hormonelle Ursache dafür verantwortlich ist, dass die Frau nicht schwanger wird, und durch eine Hormonbehandlung den Zyklus regulieren. Stellt sich heraus, dass eine organische Ursache zugrunde liegt, sind die Frauen bei uns in der Klinik richtig.

Als organische Ursachen kommen Myome, also gutartige Muskelwucherungen, in Frage. Wenn sie mehrere Zentimeter groß sind oder im Inneren der Gebärmutterhöhle liegen, können sie die Möglichkeit, schwanger zu werden, verringern und die Gefahr einer Fehlgeburt erhöhen

Eine weitere Ursache ist die sogenannte Endometriose: Bei den Frauen bildet sich auch außerhalb der Gebärmutter Gebärmutterschleimhautgewebe. Diese Endometrioseherde bauen sich wie die Gebärmutterschleimhaut im Monatszyklus auf und bluten wieder ab. Das kann starke Schmerzen verursachen. Die Herde können zudem die Eileiter verschließen oder zu Verwachsungen führen. Mit der Folge, dass die Eileiter unflexibel werden oder abknicken. Wie viele Frauen an der Krankheit leiden, ist schwer zu sagen, weil viele Frauen keine oder kaum Symptome haben. Und schließlich ist es möglich, dass eine Verwachsung an einem Eileiter infolge einer vorausgegangener Operation oder einer Entzündung- etwas einer Chlamydien-Infektion - die Eileiter versperrt.

Bei allen drei Fruchtbarkeitsstörungen kann eine Operation helfen. Myome, die eine Schwangerschaft verhindern, entfernen wir mit einem in der Regel ambulanten operativen Eingriff. Ist eine andere organische Ursache für den unerfüllten Kinderwunsch verantwortlich, testen wir die Eileiter-Duchlässigkeit. Dabei wird über die Gebärmutter eine blaue Farbspülung in die Eileiter geleitet. Zugleich wird über einen winzigen Schnitt unterhalb des Bauchnabels ein Kanal in den Bauchraum eingeführt, über den wir eine winzige Kamera und die Instrumente für operative Schritte bedienen. Tropft die Farbe aus den Eileitern, sind sie durchlässig. Tritt keine Farbe aus, sind die Eileiter verklebt oder verwachsen. Sofern sie sichtbar ist, können wir die Endometrioseherde oder Verwachsungen mit unserem neuen Instrument direkt behutsam entfernen. Damit ist der Weg für eine spontane Empfängnis wieder frei. Wenn wir ein Jahr später die Paare in der Geburtshilfe wiedersehen, dann ist das jedes Mal ein besonders schöner Moment.