Den Sturz vermeiden: die 10 wichtigsten Tipps

Erstellt von Tanja Liebelt

14.06.2019 Bewegungsapparat, Contilia, Neurologie

Der Medizin-Mittwoch im St. Josef-Krankenhaus Kupferdreh rund um Sturzrisiken im Alter hat gezeigt: es gibt viele Unsicherheiten bei den Betroffenen. Besonders, wenn es einmal passiert ist, nimmt die Gangunsicherheit meist noch zu. Ein fataler Kreislauf aus Angst vor dem nächsten Sturz, immer weniger werdender Bewegung und zunehmend schlechtem Trainingszustand beginnt. Referentin und Pflegewissenschaftlerin Iris Vogel hat aus ihrem Vortrag die zehn wichtigsten Tipps für Sie zusammengestellt:

  1. Achtung! Diese Faktoren erhöhen das Sturzrisiko: beeinträchtigte Bewegungsfähigkeiten, ausgeprägte körperliche Schwäche, Stürze und Sturzangst, Gefahren in der Umgebung (z. B. Barrieren, Stolperfallen) und Fehler mit der Gehhilfe.
  2. Der erste Schritt zur Risikominimierung: Durch Bewegungsförderung wird dem Muskelabbau und Verlust der Balancefähigkeit entgegengewirkt. Hilfreich sind beispielsweise Kraft-, Balance- und Koordinationstraining.
  3. Für Zuhause gilt: das oberste Gebot ist die Barrierefreiheit. Stolperfallen wie z.B. durch Teppiche oder Schwellen sollten beseitigt werden. Räume wie das Bad (besonders die Dusche/das WC) sollten gut zugänglich sein. Eventuell müssen Türen bzw. Türrahmen verbreitert werden, um sich mit einem Rollator durch die Wohnung bewegen zu können.
  4. Ich lebe alleine: Wie hole ich Hilfe, wenn ich gestürzt bin? Eine Alternative zum Handy, das nicht jeder besitzt, ist der Hausnotruf. Diesen gibt es mittlerweile nicht nur für zu Hause, sondern auch für unterwegs. Bei einem Notfall kann dieser betätigt werden, um Hilfe zu erhalten. Der Hausnotruf wird von der Pflegekasse bei vorliegendem Pflegegrad bezuschusst.
  5. Das sollten Sie bei Gehhilfen beachten: An erster Stelle steht die Bewegung ohne Gehhilfe. Diese sollte so lange wie möglich erhalten werden. Wird irgendwann doch eine Gehhilfe benötigt, muss diese richtig ausgewählt, eingestellt und benutzt werden. Lassen Sie sich deswegen grundsätzlich beraten und durch ein Gehtraining in den Gebrauch der Gehhilfe einweisen, z.B. durch Ihr Sanitätshaus.
  6. Nach dem Sturz: Vertrauen in die eigene Bewegung zurückerlangen und Angst abbauen. Dabei kann ein Physiotherapeut helfen. Dieser fördert die Bewegung und gibt Tipps z. B. für ein sicheres Gehen oder Treppen steigen.
  7. Das Zuhause muss für mehr Sicherheit und Barrierefreiheit umgebaut werden? Dabei handelt es sich um wohnumfeldverbessernde Maßnahmen, die nach §40 des SGB XI mit max. 4000 Euro von der Pflegekasse bezuschusst werden. Voraussetzung ist mindestens ein Pflegegrad 1.
  8. Eine Gehhilfe wird benötigt? Diese wird entweder von der Kranken- oder der Pflegekasse (nur bei Pflegegrad) bezuschusst. Dafür muss ihr Hausarzt eine Verordnung ausstellen, die ihrem Antrag bei der jeweiligen Kasse beigelegt wird. Diese beauftragen anschließend ein Sanitätshaus, mit dem sie zusammenarbeiten.
  9. Weitere finanzielle Unterstützung: Sollte weder die Kranken- noch die Pflegekasse sich beteiligen, können entstandenen Kosten auch bei der Steuererklärung abgesetzt werden.
  10. Wer unterstützt Sie? Für Veränderungen der Wohnung beraten Sie gerne Mitarbeiter der Wohnberatungsstellen. Diese befinden sich in jeder Stadt. Für weitere Beratungen zum Thema Anträge und Pflege wenden Sie sich an einen Pflegestützpunkt. 

Weitere Informationen finden Sie im Flyer "Den Sturz vermeiden".