Der Pflege eine Stimme geben – Experten diskutierten über die „Zukunft der Pflege“

Erstellt von Anja R. Steinhoff

06.09.2018 Contilia

Anfang der Woche trafen sich rund 160 Führungskräfte aus der Pflege der katholischen Krankenhäuser im Bistum Essen. Die Teilnehmer diskutierten in Mülheim an der Ruhr einen Tag lang gemeinsam mit renommierten Pflegewissenschaftlern, wie der Pflegeberuf im Jahr 2025 aussehen könnte.

Die Contilia Gruppe, mit neun Krankenhäusern im Bistum Essen vertreten, nahm hier eine wichtige Rolle ein.Simone Sturm, Pflegedirektorin des Elisabeth-Krankenhauses Essen stellte als stellvertretende Sprecherin des Arbeitskreises der Pflegedirektoren ein Positionspapier zur Zukunft der Pflege vor. Der Arbeitskreis ist Teil der Diözesan-Arbeitsgemeinschaft „DiAG Krankenhäuser und Reha“ des Bistums Essen. Elmar Hanke (Sprecher) begrüßte die Teilnehmer und leitete ins Thema ein.

Pflegekammer soll helfen, die Pflege zu professionalisieren

In „World-Cafés“ konnten Stations-, Funktions- und Pflegedienstleitungenin kleineren Gruppen am Nachmittag den inhaltlichen Input vom Vormittag thematisch vertieften und sich gemeinsam austauschen. Zuvor hatten die Pflegewissenschaftler Prof. Christel Bienstein und Prof. Frank Weidner sowie Simone Sturm unterschiedliche Impulse für die fachliche Diskussion gegeben. Bienstein, die in Deutschland als „Pflege-Päpstin“ bekannt ist, plädierte für die Einführung einer Pflegekammer, damit sich die Krankenpflege professionalisiert. Das Pendant zur Ärztekammer soll, so die Präsidentin des Deutschen Bundesverbandes für Pflegeberufe e.V. (DBfK), „der Pflege eine Stimme geben.“

Jahrelanger Abwärtstrend bei der Anzahl der Pflegekräfte

Während die Anzahl der Ärzte seit 1995 pro Patient stetig steigt, gibt es bei den Stellen für Pflegekräfte seit Jahren einen deutlichen Abwärtstrend bis unter das Niveau von 1995. Derzeit stagnieren die Zahlen. Basis für die Erkenntnisse sind statistische Auswertungen, die Weidner vorstellte. Der Direktor des Instituts für angewandte Pflegeforschung e.V. in Köln / forderte: „Dieses Ungleichgewicht im Zahlenverhältnis zwischen Pflegekräften und zu versorgenden Patienten müssen wir wieder verändern.“ Aktuell mangelt es jedoch an Pflegepersonal - eine Situation, die sich kurzfristig nicht verändern lässt, aber der Forderung nach verbesserten Arbeitsbedingungen Nachdruck verleiht, um den Pflegeberuf attraktiver zu machen.

Handlungsautonomie - Pflegekräfte wünschen sich mehr Zeit für die Patienten

Eingeflossen sind diese Aspekte in ein Positionspapier. „Die Pflege darf nicht nur reagieren, sondern muss Antworten bereithalten und Konzepte entwickeln. Dazu gehört, dass wir die Patientenversorgung aktiv mitgestalten, Abläufe, Prozesse und Aufgaben hinterfragen und mehr Handlungsautonomie für uns einfordern,“ betonte Sturm. Die Veranstaltung habe gezeigt, „dass Pflegekräfte mehr Zeit für die Patienten haben möchten. Dies gelingt jedoch nur, wenn wir mehr Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für diesen interessanten und gleichzeitig anspruchsvollen Beruf gewinnen und anschließend dauerhaft halten können.“

"Wir haben einen großen Anteil an der Versorgung der Patienten."

Einig waren sich die Teilnehmer darin, dass sich in der öffentlichen Wahrnehmung etwas verändern muss. Für Markus Kay, Stationsleiter im St. Marien-Hospital Mülheim an der Ruhr, das ebenfalls zur Contilia Gruppe gehört, ist klar: „Wir müssen uns als Pflegekräfte besser positionieren. Schließlich haben wir einen großen Anteil an der Versorgung der Patienten.“