Peruanischer Arzt hospitiert in Essener Kinderklinik – Adveniat und Elisabeth-Krankenhaus gemeinsam für Kinder mit Zerebralparese

Erstellt von Dorothee Renzel / Stephan Neumann (Adveniat)

03.10.2018 Kinder- und Jugendmedizin

„Das breite Spektrum an Therapien, das ich hier sehen und kennenlernen durfte, hat mich fasziniert“, erklärt Niger Jorge Huavil Albornoz. Der peruanische Psychiater war gut zwei Wochen zu Gast in der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin im Elisabeth-Krankenhaus Essen. Bei Chefarzt Dr. Claudio Finetti lernte Huavil Albornoz verschiedene Behandlungs- und Therapiemethoden von Kindern mit Zerebralparese, einer körperlichen und geistigen Behinderung, kennen. Diese Eindrücke nimmt er mit in seine Heimat Jaén im Amazonasgebiet Perus. Dort unterstützt das Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat das Gesundheitszentrum des Vikariats bei der Versorgung erkrankter Kinder. Um einen produktiven Erfahrungsaustausch zwischen den beiden Expertenzentren zu ermöglichen, rief Adveniat Ende 2016 eine Kooperation ins Leben.

Kinder mit Zerebralparese leiden unter Bewegungsstörungen, können meist kaum laufen, ihre Sprachfähigkeit ist eingeschränkt. Eine Schädigung des Gehirns vor, während oder nach der Geburt ist die Ursache. Die körperliche und geistige Behinderung ist nicht heilbar, die Folgen können aber gelindert werden.

Der achtjährige Moritz strahlt die beiden Ärzte an. Auch wenn er nie ein selbstständiges Leben führen kann, ist er präsent und voll auf der Höhe, betont Dr. Claudio Finetti. „Die Ergebnisse der hier unternommenen Therapien liegen auf der Hand. Wenn ich Moritz anschaue, wie er sitz, wie er sich bewegt, wie er wahrnimmt – die bisher gemachten Therapien waren erfolgreich“, so Niger Jorge Huavil Albornoz. Anke Reimann ist dankbar, dass sie mit Moritz in einem Land wie Deutschland lebt. Hier gebe es für die Versorgung, Betreuung und Therapie viele Möglichkeiten. „So hat Moritz seit seinem ersten Lebensjahr regelmäßig Reha-Maßnahmen bekommen und auch diverse Hilfsmittel machen uns den Alltag einfacher“, erzählt Anke Reimann, die heute sagt: „Wir haben uns mit unserem Leben arrangiert, es gibt 100 schöne Momente am Tag.“

Im Rehabilitationszentrum des Vikariats Jaén im peruanischen Amazonasgebiet werden derzeit zwölf Kinder mit Zerebralparese sowie deren Mütter betreut. Bis an den nördlichen Rand Perus reicht die staatliche Gesundheitsvorsorge nicht. Die Menschen, die im Amazonasgebiet leben, gehören zu den Ärmsten, sie sind die Verlassenen und Vergessenen, von denen Papst Franziskus immer wieder spricht. Seine Forderung, Gesundheitsversorgung als „grundlegendes Menschenrecht“ allen zu garantieren, setzt Bischof Gilberto Alfredo Vizcarra Mori von Jaén in die Tat um. Mit Unterstützung des Lateinamerika-Hilfswerks Adveniat bildet er Gesundheits-Multiplikatoren aus, erweitert das Gesundheitszentrum und informiert Mütter über Behandlungs- und Betreuungsmöglichkeiten.

Zum Ende seines Besuchs zeigt sich Niger Jorge Huavil Albornoz besonders beeindruckt vom Miteinander von Arzt und Patient: „Diese menschliche Nähe und Wärme zwischen den Patienten, den Angehörigen und den Ärzten ist bewundernswert. Eine Beziehung auf Augenhöhe. Davon sind wir in Peru weit entfernt. Das will ich zukünftig ändern.“ Dr. Claudio Finetti ist einfach stolz: „Ich finde es großartig, was wir – die Contilia und Adveniat – gemeinsam mit den Menschen in Peru auf die Beine gestellt haben. In so kurzer Zeit hat ein konkretes Projekt „Hilfe für Kinder mit Zerebralparese in Peru“ Gestalt angenommen.“


Adveniat, das Lateinamerika-Hilfswerk der katholischen Kirche in Deutschland, steht für kirchliches Engagement an den Rändern der Gesellschaft und an der Seite der Armen. Dazu arbeitet Adveniat entschieden in Kirche und Gesellschaft in Deutschland. Getragen wird das Werk von Hunderttausenden Spenderinnen und Spendern – vor allem auch in der alljährlichen Weihnachtskollekte am 24. und 25. Dezember. Adveniat finanziert sich zu 95 Prozent aus Spenden. Die Hilfe wirkt: Im vergangenen Jahr konnten rund 2.200 Projekte gefördert werden, die mit 38 Millionen Euro genau dort ansetzen, wo die Hilfe am meisten benötigt wird: an der Basis, direkt bei den Armen.